Nach einem weiteren Aufsehen erregenden Diebstahl, diesmal im Louvre in Paris, ist es dringender denn je, innezuhalten und erneut darüber nachzudenken, wie wir unser kulturelles Erbe wirksam schützen können.
Museen als Hüter des kollektiven Gedächtnisses und der Identität sind seit jeher Ziel von Verbrechen, die sich im Laufe der Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart wiederholt haben. Oftmals offenbaren diese Vorfälle Nachlässigkeiten oder Lücken in den Sicherheitsmaßnahmen, die hätten verhindert werden können.
Carlotta Predosin, Art Security Managerin und leidenschaftliche Verfechterin des Schutzes des kulturellen Erbes, gibt wertvolle Einblicke in die Risiken im Zusammenhang mit der Sicherheit in Museen und wie diese wirksam gemindert werden können.
Risikominderung: Ein strategischer Ansatz
Risikominderung umfasst alle Aktivitäten, die darauf abzielen, potenziell schädliche Situationen zu verhindern und einzudämmen. Sie beginnt mit der Identifizierung eines bestimmten Risikos, dessen Analyse und der Umwandlung in ein kalkulierbares, beherrschbares und gemindertes Risiko.
Um dies effektiv zu tun, müssen drei Schlüsselparameter ausgewogen sein:
- Die Effizienz aktiver und passiver Sicherheitsmaßnahmen;
- Die konsequente Anwendung von Verfahren und organisatorischen Maßnahmen;
- Die Angemessenheit und Schulung des beteiligten Personals.
Aktive Sicherheitsmaßnahmen
Aktive Sicherheitsmaßnahmen dienen dazu, aufkommende Bedrohungen, die Schäden verursachen könnten, umgehend zu erkennen. Dazu gehören elektronische, elektrische und telematische Systeme, die in der Lage sind:
- die Umgebung durch Sensoren zu überwachen, die bei Änderung vordefinierter Bedingungen aktiviert werden;
- die gesammelten Daten zu verarbeiten und an eine Überwachungszentrale zu übertragen;
- Echtzeit-Warnmeldungen zu generieren, wodurch die Bedeutung einer regelmäßigen Wartung und einer ordnungsgemäßen Systemfunktionalität unterstrichen wird.
Die Gewährleistung einer konsistenten Wartung und Betriebseffizienz dieser Systeme ist von entscheidender Bedeutung. Ein defektes Gerät ist gleichbedeutend damit, die Tür zu dem Kulturerbe, das wir schützen wollen, offen zu lassen.
Passive Sicherheitsmaßnahmen
Neben aktiven Systemen spielen passive Sicherheitsmaßnahmen eine wichtige Rolle beim physischen Widerstand gegen Eindringlinge oder Angriffe. Diese erkennen keine Bedrohungen, sondern behindern deren Ausführung, verzögern Angriffe und verschaffen wertvolle Zeit für Sicherheitsmaßnahmen.
Zu den passiven Maßnahmen gehören:
- Physische Barrieren wie verstärkte Türen, bruchsichere Vitrinen, Gitter und Hochsicherheitsschlösser;
- Eindämmungs- und Schutzsysteme für Kunstwerke, wie verstärkte Vitrinen und verankerte Stützen;
- Architektonische Maßnahmen, die den unbefugten Zugang einschränken und den Besucherstrom lenken.
Ihre Wirksamkeit hängt von der Materialqualität, einer durchdachten Gestaltung und der nahtlosen Integration in aktive Systeme ab. In einer ausgewogenen Sicherheitsstrategie für Museen bilden passive Maßnahmen die erste Verteidigungslinie gegen physische Bedrohungen.
Verfahren und der Faktor Mensch
Aktive und passive Sicherheitssysteme müssen durch die konsequente Umsetzung von Verfahren und organisatorischen Maßnahmen ergänzt werden, die auf die besonderen Merkmale jedes Museums zugeschnitten sind. Jede Einrichtung benötigt einen maßgeschneiderten Sicherheitsplan, der die spezifischen Kunstwerke, die räumliche Anordnung und die verfügbaren Ressourcen berücksichtigt.
Wir müssen auch berücksichtigen, dass ein Museum häufig Wartungs-, Renovierungs- oder Umbauarbeiten unterzogen wird, die sein Risikoprofil verändern können, beispielsweise wenn eine Baustelle eingerichtet wird. In solchen Fällen ist es unerlässlich, zu beurteilen, ob das Risiko gestiegen ist, und den Sicherheitsplan entsprechend zu aktualisieren oder anzupassen, um dem neuen Risiko Rechnung zu tragen.
Darüber hinaus ist es immer notwendig, die Objekte zu identifizieren, die für Diebstähle am attraktivsten sind, wie wertvolle Gegenstände (z. B. Schmuck), Vermögenswerte von hohem kulturellem oder finanziellem Wert oder kleine, leicht zu entfernende Objekte, und sie mit gezielten Maßnahmen zu schützen.
In diesem Zusammenhang ist der Faktor Mensch entscheidend. Selbst die fortschrittlichste Technologie kann die Kompetenz, Reaktionsfähigkeit und Verantwortlichkeit derjenigen, die vor Ort tätig sind, nicht ersetzen. Die Sicherheit in Museen ist eine Teamleistung: Aktive Systeme, passive Maßnahmen und personelle Ressourcen müssen synergetisch zusammenwirken.
Alle Mitarbeiter auf allen Ebenen müssen einbezogen und entsprechend geschult werden, um potenzielle Schwachstellen zu erkennen und zu bewältigen.
Schulung, Prüfung und kontinuierliche Verbesserung
Eine kontinuierliche, zertifizierte Schulung ist unerlässlich: Lernen, auf dem neuesten Stand bleiben und der Austausch bewährter Verfahren mit anderen Fachleuten und Interessengruppen sind wesentliche Bestandteile einer wirksamen Strategie.
Ebenso wichtig sind Tests und Simulationen: Was auf dem Papier geplant ist, muss in realen Szenarien unter Einbeziehung aller Mitarbeiter geübt werden. So lassen sich Versäumnisse, Schwachstellen oder unklare Abläufe erkennen und beheben, bevor sie zu echten Risiken werden.
Schließlich ist es unerlässlich, die Beiträge der Mitarbeiter anzuerkennen und zu unterstützen: Belohnen Sie Aufmerksamkeit und Kompetenz, geben Sie konstruktives Feedback und gehen Sie entschlossen gegen Mängel vor. Sicherheit ist eine gemeinsame Verantwortung, die gemeinsam aufgebaut und durch das Lernen aus Fehlern gestärkt wird.
Facility Report: Ein strategisches Instrument
Abschließend bieten wir Ihnen Zugang zu den Leitlinien von Cristina Resti, Kunstexpertin bei ARTE Generali, die sich auf den Facility Report konzentrieren: ein grundlegendes und leicht zugängliches Instrument zur Bewertung des Zustands und der Leistungsfähigkeit von Gebäuden, in denen Sammlungen und Besucher untergebracht sind.
Der Facility Report deckt wesentliche Aspekte ab, wie zum Beispiel:
- Die Bauart des Gebäudes;
- Seine Verwaltung und Instandhaltung;
- Die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen.
Über die technische Funktion hinaus spielt der Facility Report eine Schlüsselrolle in der Kommunikation und interdisziplinären Zusammenarbeit:
Er hilft Managern dabei, Sicherheitskomponenten zu überwachen und mit Fachleuten wie Risikomanagern, Konservatoren und Kuratoren zusammenzuarbeiten.
Er liefert Leihgebern wichtige Informationen über Schutzmaßnahmen bei der Verleihung von Kunstwerken.
Er dient Betreibern und Dienstleistern, darunter auch Versicherungsgesellschaften, als Referenz und hilft dabei, die Eigenschaften und die Organisation des Gebäudes zu verstehen.
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