ūüí°COLLECTION TIPS: Konservierung und Restaurierung

tips for collectors

Wir denken an Restaurierung vor allem dann, wenn die Nachricht durch die Medien geht, dass unter jahrzehntelangem Firnis und wahrscheinlich auf einem Dachboden ein Meisterwerk entdeckt wurde - nach sorgfältiger Reinigung und Restaurierung.

Sowohl Auktionsh√§user als auch Museen verk√ľnden oft eine Neuzuordnung nach gr√ľndlicher Arbeit durch spezialisierte Restauratoren. Ein Beispiel daf√ľr ist das m√∂gliche Selbstportr√§t von Diego Vel√°zquez aus dem Jahr 1635 im Metropolitan Museum of Art in New York, das nach einer gr√ľndlichen Restaurierung im Jahr 2009 dem spanischen Maler zugeschrieben wurde (link). In √§hnlicher Weise wurde Sandro Botticellis ‚ÄěSchmerzensmann‚Äú Ende 2021 von Sotheby's New York verkauft, nachdem es nach einer Reinigung und Ausstellung in einem Museum dem italienischen Renaissance-Maler zugeschrieben worden war. Das als Botticelli ausgepreiste Gem√§lde brachte 45 Millionen US-Dollar ein, nachdem es 1963 f√ľr 10.000 britische Pfund von einem Anh√§nger des K√ľnstlers erworben worden war. (link)

W√§hrend jeder davon tr√§umt, ein Meisterwerk unter Staub und Farbschichten auf dem Dachboden zu finden, vergessen wir, dass auch zeitgen√∂ssische Kunst viel Pflege und manchmal die helfende Hand eines Restaurators ben√∂tigt, um ihre Erhaltung √ľber die Zeit zu gew√§hrleisten. Der Vorteil von Gem√§lden alter Meister ist, dass sie bereits Hunderte von Jahren √ľberdauert haben und dass sowohl Leinwand als auch Holztafeln mit ihren √Ėlschichten gut erforschte Medien sind, die in der Regel relativ leicht zu restaurieren sind, vor allem, wenn die Lacke entfernt werden m√ľssen, die sp√§ter oftmals hinzugef√ľgt wurden.

Die Kunstgegenst√§nde des 20. Jahrhunderts, bei denen das Angebot an Farben, Transportwegen und anderen Materialien explosionsartig anstieg, sind eine ganz andere Sache. Sammler sollten sich dar√ľber im Klaren sein, was sie kaufen und welche Langlebigkeit ein Kunstwerk entweder von Natur aus hat oder unter welchen Bedingungen es aufbewahrt werden sollte. Oder auch, welche Ver√§nderungsprozesse in dem Werk stecken. Auch Umweltfaktoren wie Licht, Feuchtigkeit und Temperatur, denen ein Kunstwerk ausgesetzt ist, spielen eine wichtige Rolle.. Da der Klimawandel zu einem Bestandteil des t√§glichen Lebens wird, k√∂nnte er sich auch auf die Kunst auswirken, und es sind mehr Vorsichtsma√ünahmen erforderlich.

Das ber√ľhmteste Beispiel f√ľr medienbedingten Verfall in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sind wohl Andy Warhols Polaroids. Polaroids leiden unter den √ľblichen Sch√§den wie Verblassen und Verf√§rbung. Bereits 1983 hat das Unternehmen selbst einen Leitfaden zur Lagerung, Handhabung und Erhaltung von Polaroid-Fotografien herausgegeben. (Botticelli, Peter. "Preserving Artworks Digitally: The Case of Andy Warhol's Polaroid Photographs" Preservation, Digital Technology & Culture, vol. 44, no. 3, 2015, pp. 123-134. link)

Was k√∂nnen Sammler also tun, um ihre Sammlung dauerhaft zu sch√ľtzen?

Am Anfang steht die Konservierung

Annett Quast, Konservatorin, M√ľnchen:¬†"Der beste Umgang mit einer Sammlung ist, sie von Anfang an angemessen zu sch√ľtzen: Arbeiten Sie zum Beispiel mit einer spezialisierten Kunsttransportfirma zusammen. Sparen Sie nicht an der Verpackung, stellen Sie sicher, dass sie angemessen ist und besprechen Sie die Transportversicherung im Voraus. Wenn Sie Drucke sammeln, achten Sie darauf, dass sie archivgerecht aufgezogen und gerahmt werden. Arbeiten auf Papier und Fotografien sollten hinter UV-Glas gerahmt werden. Es ist wichtig, dass kein direktes Sonnenlicht auf solche Werke f√§llt, aber achten Sie auch darauf, dass nach Norden gerichtete W√§nde feuchter sein k√∂nnen. Lagern Sie die Werke niemals auf dem Boden. Und teilen Sie vor allem Ihrer Haushaltshilfe mit, dass sie die Werke nicht reinigen und nicht anfassen soll!"

  1. Es gibt eine Reihe allgemeiner Punkte, an die jeder Sammler denken sollte. √úberlegen Sie, was f√ľr Sie wichtiger ist: Kunstwerke unter museums√§hnlichen Bedingungen aufzubewahren oder mit ihnen zu leben (und dabei die Risiken zu beachten). Das k√∂nnte bedeuten, dass Zeichnungen und andere Arbeiten auf Papier in dunkleren R√§umen oder sogar nur ungerahmt in Schubladen aufbewahrt werden, und dass auch Fotografien vor direktem Sonnenlicht gesch√ľtzt werden. Oder Sie sorgen einfach f√ľr ein angemessenes Feuchtigkeits- und Temperaturniveau und sch√ľtzen die Arbeiten auf Papier, indem Sie sie z. B. mit Glas und Passepartout in Museumsqualit√§t einrahmen. Sie sind sich jedoch dar√ľber im Klaren, dass jede Belichtung die Unversehrtheit beeintr√§chtigen kann.
  2. Seien Sie vorsichtig bei der Reinigung von Glas. Viele Kunstwerke werden durch die R√ľckst√§nde von Reinigungsmitteln besch√§digt, die sich im Inneren der Rahmen ansammeln und in die Werke eindringen. Wenn Sie Reinigungskr√§fte oder andere Hilfskr√§fte beauftragen, weisen Sie sie ein und geben Sie ihnen auch eine Liste mit klaren Anweisungen mit auf den Weg. Die amerikanische Sammlerin Agnes Gund erz√§hlte, wie ihre Reinigungskraft die Pappschachtel mit Christos "Nine Packed Bottles" wegwarf (Louisa Buck und Judith Greer, Owning Art, 2006, S. 207), sie aber schnell wiederfand (link).
  3. Ber√ľhren Sie Ihre Skulpturen nicht mit blo√üen H√§nden - denken Sie an die Hinweise in Museen und Galerien -, da die H√§nde mit der Zeit selbst auf Bronze oder Stein Spuren hinterlassen k√∂nnen.
  4. Wenn Sie Werke im Freien aufstellen, vergewissern Sie sich, dass sie von einem Kunstspediteur oder dem K√ľnstler ordnungsgem√§√ü befestigt und installiert wurden.

Denken Sie daran, dass auch digitale Kunst sorgfältig gepflegt werden muss. Dazu gehört nicht nur das Medium selbst (wie Film, Foto, Dateien), sondern auch die Anzeigegeräte. Sie wollen keinen Film auf einer Datei haben, den Sie zehn Jahre später nicht mehr abspielen können.

  1. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei der Galerie, dem K√ľnstler oder sogar dem Auktionshaus, bei dem Sie kaufen, wie Sie Ihr Objekt am besten erhalten k√∂nnen. Seien Sie sich bewusst, dass sich manche Werke mit zunehmendem Alter ver√§ndern und dass dies m√∂glicherweise in der Absicht des K√ľnstlers liegt.

"Ein Sammler zeitgen√∂ssischer Kunst sollte sich nicht von Materialfragen abschrecken lassen. Letztlich sammelt man aus Leidenschaft und Freude und lebt mit der Kunst, die einem gef√§llt. Wichtig ist aber auch, daran zu denken, dass man seine Kunst pflegen muss. Deshalb ist es unerl√§sslich, vor dem Kauf eines Kunstwerks Fragen zu stellen, sei es an den K√ľnstler selbst, an einen Galeristen oder an einen vertrauensw√ľrdigen Restaurator. Wenn Sie also bei einer Auktion kaufen, verlangen Sie einen Zustandsbericht und beurteilen Sie selbst oder mit Hilfe eines Restaurators den tats√§chlichen Zustand, damit Sie keine b√∂se √úberraschung erleben." (Annett Quast)

  1. Bestimmte Materialien verderben, da sie nicht f√ľr die Ewigkeit gemacht sind: organische Stoffe k√∂nnen verfaulen, Stifte k√∂nnen verblassen, Plastik kann verblassen oder rei√üen, Farben k√∂nnen sich verf√§rben. Nicht alle Untergr√ľnde sind stabil, und Teile der Werke k√∂nnen abfallen. Nicht alle zeitgen√∂ssischen Kunstwerke werden √ľberleben. Sie sollten wissen, was Sie von den gekauften Werken zu erwarten haben.

Was kann man tun, wenn ein Objekt beschädigt wird oder ein Problem auftritt?

Restaurierung

  1. Seien Sie sich bewusst, dass ein auf dem Sekund√§rmarkt erworbenes Werk bereits restauriert worden sein kann. Recherchieren Sie also vor dem Kauf und ziehen Sie in Erw√§gung, einen Restaurator zu Rate zu ziehen. Chevalier beschreibt dies als ein h√§ufiges Problem, mit dem sie zu tun hat: "Bei alten Gem√§lden oder moderner Kunst sind die immer wiederkehrenden Probleme die Entrestaurierung. Am schwierigsten ist es, Materialien zu entfernen, die durch eine fr√ľhere Restaurierung eingebracht wurden, wie z.B. das Entfernen von Futter, √∂ligen √úbermalungen oder synthetischen Lacken. Die Materialien altern durch die Freisetzung von Schadstoffen, und es ist wichtig, die urspr√ľngliche Stratigraphie (Materialintegrit√§t) so weit wie m√∂glich wiederherzustellen."
  2. Arbeiten Sie mit erfahrenen Restauratoren zusammen - dieser Beruf ist nicht in allen Ländern gesetzlich geregelt, und Sie wollen schließlich vermeiden, dass Ihr Werk noch mehr Schaden erleidet. Sie können sich entweder an Empfehlungen von Fachleuten oder Restauratorenverbänden orientieren, in einem Museum nachfragen oder sogar Ihren Kunstversicherer fragen, da dieser Listen von Restauratoren bereithält.

Die franz√∂sische Restauratorin Aur√©lia Chevalier empfiehlt: "In jedem Land gibt es Verzeichnisse von qualifizierten Restauratoren, an die sich Sammler wenden k√∂nnen (SKR/SCR in der Schweiz oder FFCR in Frankreich). Qualifizierte Restauratoren haben eine technische, historische und wissenschaftliche Ausbildung erhalten, was sehr wichtig ist. Der Restaurator greift in das Material ein und kann es f√ľr immer ver√§ndern. Der Sammler kann ihn nat√ľrlich fragen: Welche Auswirkungen hat das Ergebnis der Behandlung auf die langfristige Erhaltung seines Werks?"

  1. Bei einem Unfall informieren Sie sofort Ihre Versicherung und machen Sie ein Foto des Schadens, ohne den Gegenstand zu bewegen. Wenden Sie sich an einen Restaurator, der Ihnen weiterhelfen kann. Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie der texanische Casinomagnat Steve Wynn, der seinen Ellbogen durch sein Gemälde "Le Rêve" von Pablo Picasso stieß. (link). Aber auch das wurde von einem erfahrenen Restaurator repariert.

Zusammenfassung

Chevalier empfiehlt: "Die Liebe zu einem Kunstwerk ist das Wichtigste, aber die Frage nach dem Erhaltungszustand ist ebenso wichtig. Jeder Verkauf sollte auf der Grundlage eines Zustandsberichts und einer Beratung zur Konservierung erfolgen ".¬†Es ist wichtig, die Konservierung als einen nat√ľrlichen Teil des Sammelns zu betrachten. Neben einer angemessenen Versicherung ist die Kenntnis grundlegender Konservierungsrichtlinien ein entscheidender Erfolgsfaktor f√ľr die Langlebigkeit der Sammlung. Die Kenntnis guter lokaler Konservatoren und Restauratoren und eine gute Beziehung zu ihnen ist nicht nur f√ľr gro√üe Sammlungen entscheidend, sondern kann auch einem kleineren Sammler helfen, sicherzustellen, dass die Werke gut gepflegt werden.

Haben Sie jedoch keine Angst vor zeitgen√∂ssischer Kunst und ihren Materialien. Der deutsche K√ľnstler Joseph Beuys hat den oft zitierten Satz gesagt: "Daher ist die Natur meiner Skulpturen nicht festgelegt und abgeschlossen. In den meisten von ihnen setzen sich die Prozesse fort: chemische Reaktionen, G√§rungen, Farbver√§nderungen, Verfall, Austrocknung. Alles befindet sich in einem Zustand der Ver√§nderung." (link)

Am wichtigsten ist, dass Sie sich auf Ihre Kunstwerke einlassen, sie täglich betrachten und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Nur so fallen Ihnen Veränderungen auf.

Weitere Informationen:

Zitierte Restauratoren:

http://www.anettquastrestaurierung.de/

www.aureliachevalier.com

Webbasierte Ressourcen:
https://www.tate.org.uk/research/reshaping-the-collectible/research-approach-conservation

https://www.moma.org/momaorg/shared/pdfs/docs/explore/emergency_guidelines_for_art_disasters.pdf

https://www.widewalls.ch/magazine/contemporary-art-conservation

https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-julia-stoschek-extreme-care-takes-build-new-media-art-collection

https://www.ft.com/content/784994a0-cb31-44cf-98e3-ae9b563edc92

https://makingamark.blogspot.com/2019/01/how-art-conservator-cleans-restores-old-paintings.html

https://www.myartbroker.com/collecting/guides/a-guide-to-restoring-and-caring-for-modern-and-contemporary-prints

Veröffentlichungen

Villafranca Soissons, I.; Scala, C.¬†Art Work‚ÄĮ: Conserving and Restoring Contemporary Art, English edition.; Villafranca Soissons, I., Ed.; Scala, C., Translator; Marsilio: Venice, 2018.

‚ÄúLiving Matter: The Preservation of Biological Materials in Contemporary Art‚ÄĚ

A conference organized by the Getty Conservation Institute (GCI), Museo Universitario Arte Contempor√°neo (MUAC) of the Universidad Nacional Aut√≥noma de M√©xico (UNAM), and Escuela Nacional de Conservaci√≥n, Restauraci√≥n y Museografia (ENCRyM) of the Instituto Nacional de Antropolog√≠a e Historia (INAH), Mexico City, June 3‚Äď5, 2019¬†(link)

NOORDEGRAAF, JULIA, et al., editors. Preserving and Exhibiting Media Art: Challenges and Perspectives. Amsterdam University Press, 2013. JSTOR, http://www.jstor.org/stable/j.ctt6wp6f3. Accessed 27 Jul. 2022.