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Kunst-News

 

Kunstbesitzer*innen und kunstverwandte Dienstleister*innen haben über die Kunstversicherungsprodukte von ARTE Generali bald Zugang zu modernster Kunstmarktintelligenz. Die neue Technologie, die von Forschern der University of Toronto und des Massachusetts's Institute of Technology in Boston entwickelt wurde, ist in der Lage, Veränderungen in den Kunstwerten zu erklären und zu kennzeichnen. Das Unternehmen hinter diesem Durchbruch, Wondeur AI, hat über zwei Jahre lang Daten von 250.000 Künstler*innen weltweit gesammelt, um herauszufinden, was die Entwicklung von Künstlerkarrieren und den Preisanstieg ihrer Kunstwerke im Laufe der Zeit verursacht.

 

Kunsthistoriker*innen wissen seit langem, dass die vielen Museen und Galerien, die auf globaler Ebene tätig sind, jeweils den Preis eines Künstlers beeinflussen, wenn sie eine Ausstellung organisieren oder ein Kunstwerk für ihre Sammlung erwerben. Kunstinstitutionen und Galerien agieren in der Tat als Markt Influencer mit unterschiedlichem Einfluss auf den Ruf und den Preis des Künstlers. Das Verständnis dieser Einflussfaktoren ermöglicht eine grundlegende Analyse des Entwicklungsverlaufs von Künstler*innen, die allen Akteuren auf dem Kunstmarkt bessere Entscheidungen ermöglicht.

 

ARTE Generali

 

Die Gründer von Wondeur AI, Olivier Berger und Sophie Perceval, kennen die Kunst zu gut um zu  glauben, dass Roboter jemals in der Lage sein werden, den Menschen zu ersetzen, wenn es darum geht, ein Kunstwerk zu betrachten und dessen subtile Ausstrahlungskraft zu erkennen. Wie das Duo es ausdrückt, "ist das, was künstliche Intelligenz am besten kann, dem Menschen bei der Erledigung komplexer Aufgaben zu helfen - nennen Sie es eher einen automatischen Assistenten als eine künstliche Intelligenz." Wondeur AI unterstützt die Arbeit von Expert*innen, indem es die Komplexität minimiert, die ihre Forschung behindert. Indem sie die Karrieren von Künstler*innen durchforsten, enthüllen diese komplexen Modelle die zugrundeliegenden Mechanismen, die den Preis eines Kunstwerks sich von $5000 über $100.000 bis zu $10.000.000 entwickeln lassen... über 40 Jahre hinweg.

 

Die Erstellung solcher Modelle erfordert einen gründlichen Ansatz zur Datensammlung und -analyse. Die Forscher*innen mussten die Kunstwelt seit den 1950er Jahren weltweit erfassen, um die Dynamik zu verstehen, die zwischen Museen, Galerien und Künstler*innen im Spiel ist, und wie diese Dynamik sich auf die Wertentwicklung auswirkt. Wie Cathy O'Neil in "Weapons of Math Destruction" darlegt, haben Wissenschaftler*innen eine Verantwortung bei der Auswahl der Daten, denen sie ihre Aufmerksamkeit schenken - und die sie weglassen. Der Kunstmarkt hat sich jahrzehntelang stark auf Auktionstransaktionsdaten verlassen, obwohl diese Daten bekanntermaßen volatil und nur für einen winzigen Bruchteil der Künstler relevant sind, die auf dem Händlermarkt verkaufen. Indem sie über die Auktionsergebnisse hinausschauen und ein umfassenderes Bild davon erstellen, was Künstler*innen zu Ruhm und ihre Preise in astronomischen Höhen treibt, war Wondeur AI in der Lage, den Mangel an verfügbaren Daten und angemessenen Analysen zu beheben, der die Branche seit Jahren plagte - von Kunstexpert*innen über Versicherer bis hin zu Vermögensverwaltungsfirmen, Künstlern*innen und Sammler*innen.

 

ARTE Generali

 

Wenn Sammler*innen früher ihre Kunst zum Kaufpreis versicherten und nur ihre teuersten Kunstwerke alle 5 bis 10 Jahre neu bewerten ließen, können sie sich jetzt auf die Technologie verlassen, um aufstrebende Künstler*innen in ihrer Sammlung zu identifizieren und sicherzustellen, dass diese Stücke auf dem Niveau geschützt sind, das sie verdienen. Laut Dorit Straus, die 20 Jahre lang als Head of Appraisals bei Chubb Insurance tätig war, haben die Kosten für die Durchführung dieser Neubewertungen in Verbindung mit der Angst vor einer drastischen Erhöhung der Versicherungsprämie viele Sammler in der Vergangenheit zu falschen Entscheidungen verleitet. Eine Kunstsammlung unterzuversichern, in der Hoffnung, nie mit einem Schaden konfrontiert zu werden, "macht den ganzen Zweck einer Versicherung zunichte", sagt Straus. "Das Ergebnis ist oft katastrophal in Bezug auf den Schutz des Vermögens. Es kann dazu führen, dass ein Kunstwerk teilweise zerstört wird und der Besitzer keine Möglichkeit hat, konservierende Arbeiten oder Restaurierungen zu finanzieren. Wenn man bedenkt, dass der Prämienunterschied vernachlässigbar ist, sollte man, wenn man seine Kunst liebt, sie niemals unterversichern. Das ist es nicht wert."

 

Es ist nicht überraschend, dass herausragende Persönlichkeiten der Kunstversicherungsbranche wie Dorit Straus und Vivian Ebersman, ehemalige Director of Art Expertise bei Axa Art in den USA, sich Wondeur AI als Berater angeschlossen haben, um die Entwicklung einer Technologie zu unterstützen, die sie als "ein wahr gewordener Traum" für Kunstexpert*innen und Kunstliebhaber*innen beschreiben. Die Betrachtung der Kunstgeschichte durch den Blickwinkel der Daten wirft auch ein Licht auf die messbaren Auswirkungen von systemischen Vorurteilen, ob sie nun auf dem Geschlecht, dem kulturellen Hintergrund, den Wertvorstellungen oder dem Medium basieren. "Die Vorurteilsanalyse stellt eine enorme Chance dar, Fairness in die Kunstwelt zu bringen", sagt Dorit Straus.

 

Als innovativster und neuester Akteur auf dem europäischen Kunstversicherungsmarkt ist ARTE Generali der erste Versicherer, der mit Wondeur AI zusammenarbeitet, um seine Teams europaweit zu unterstützen. ARTE Generali wird diese neue Intelligenz auch in der Zusammenarbeit mit ihren Makler*innen und Sammler*innen einbringen, um ein besseres Verständnis für Kunstwerte und deren bestmöglichen Schutz zu fördern.

 

Mehr Informationen:

Telefon: 089 / 5121 3300

E-Mail: arte@generali.de

 

Verfasser: Wondeur AI für ARTE Generali

„Wir sind von Anfang an hier, um Kunst zu fördern, Kunst für Menschen zugänglich zu machen, Kunst zu teilen und Kunst zu genießen“ - so ARTE Generali CEO, Jean Gazançon in einem trotz der Pandemie optimistischen Video-Update. Gemeinsam mit ihm beantworten Iris Handke (Head of Germany) und Italo Carli (Head of Italy) Fragen rund um die aktuellen Herausforderungen und Updates von ARTE Generali.

ARTE Generali startete das operative Geschäft in Deutschland während des Lockdowns, im vergangenen Mai erschien die innovative App. In der Zwischenzeit wurde der für das vierte Quartal geplante Start der Geschäfte in Frankreich und Italien vorbereitet. Nach Jean Gazançon: "Wir haben mehr als überlebt, wir haben unter schwierigen Umständen gediehen".

Im Video betont Iris Handke die Einzigartigkeit dessen, was ARTE Generali jetzt anbieten kann: die Kombination von Kunstexpertise und Kunstversicherung über eine digitale Plattform. Die COVID-19-Pandemie hat viele Aspekte des Lebens in die digitale Sphäre verlagert. Da sich ARTE Generali von Anfang an auf digitale Angebote und Tools konzentriert hat, war das Unternehmen auf diesen Wandel vorbereitet. Ein Beispiel hierfür ist die ARTE Generali App. Diese App, die speziell auf den Kunstversicherungsmarkt zugeschnitten ist, ist eine echte Innovation, die mit Blick auf die besonderen Bedürfnisse der Kunstindustrie entwickelt wurde. Kunstexpertise und Kunstversicherung in einem digitalen Werkzeug vereint.

Ein weiteres Beispiel für den starken Fokus auf die Digitalisierung sind die "Digital Leaders for Art Awards", um Galerien, Privatmuseen und Kulturstiftungen mit ihren jeweiligen Künstler(inne)n auf dem Weg zur Digitalisierung zu unterstützen.

Das Team von ARTE Generali blickt nun auf das kommende Jahr mit vielen spannenden Projekten, darunter die Aufnahme des Betriebs in neuen Märkten und die Aktualisierung der App, um den Kunden ein noch umfassenderes Serviceangebot zu bieten.

Galerie max goelitz, Schläger VR - Galerie TWOART und Office Impart erhielten die "Digital Leaders in Art Awards 2020".

Die DLAA-Initiative 2020 endete am 19. November 2020 mit einer virtuellen Preisgala, die von ARTE Generali in Zusammenarbeit mit ART COLOGNE organisiert wurde. Als Ergebnis der öffentlichen Online-Abstimmung wurden drei deutsche Galerien zu Preisträgern erklärt und erhalten jeweils einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro für die Umsetzung ihrer innovativen Projekte zur Digitalisierung des Kunsterlebnisses.

Jean Gazançon, CEO von ARTE Generali, kommentierte die Entscheidung: "Ich gratuliere den diesjährigen Digital Leaders in Art von ganzem Herzen! Wir haben die DLAA mit dem Ziel konzipiert, kleine Galerien auf ihrem Weg zur Digitalisierung zu unterstützen und den Zweck von ARTE Generali zu erfüllen, die gemeinsame Nutzung von Kunst als Wert für die Gesellschaft zu fördern. Die Pandemie hat unsere Ziele noch dringlicher gemacht, und ich freue mich sehr über die konkrete Hilfe, die wir mit der ersten Ausgabe unserer Initiative leisten konnten. Die Qualität und Kreativität der Beiträge und der Erfolg der öffentlichen Abstimmungsphase sind ein Beweis für die Bedeutung der DLAA. ARTE Generali arbeitet bereits daran, diese Initiative ab 2021 neben Deutschland auch auf andere Märkte auszuweiten".

Der Digital Leaders in Art Awards ist eine Initiative von ARTE Generali, um innovative Projekte auszuzeichnen, die digitale Werkzeuge nutzen, um den Austausch von Kunst und Kreativität in der Gesellschaft zu fördern. Mehr hierzu erfahren: https://artegenerali.com/de/news/november-19-2020-arte-generali-prasentiert-die-digital-leaders-art-2020

Die Galerie max goelitz (www.maxgoelitz.com) präsentiert das virtuelle Projekt "Digital Expansion". Dieses fortschrittliche Projekt ermöglicht es den Besucher(inne)n, die Ausstellung mit Hilfe von Virtual-Reality-Geräten zu genießen und Kunstwerke durch Augmented Reality in ihrer individuellen, alltäglichen Lebensumgebung zu erleben.

Schläger VR - Galerie TWOART bietet einen Besuch im Kunstraum des Klangmaschinenkünstlers Christof Schläger (www.christofschlaeger.de) mittels Virtual Reality an. Sein Kunstraum ist eine ehemalige Maschinenhalle, in der er seit 30 Jahren lebt und arbeitet und in der seine Klangskulpturen und Installationen aufbewahrt werden.

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Office Impart (www.officeimpart.com) präsentiert die virtuelle Ausstellung "Come Closer!", die durch die Möglichkeit der sozialen Interaktion eine neue Erfahrung des digitalen Raums schafft. Kunstliebhaber(innen) können die Ausstellung nicht nur online besuchen, sondern sie werden als Besucher(innen) in Echtzeit visualisiert und können sich so auf der Plattform treffen und über ihr PC-Mikrofon miteinander sprechen.

 

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Die Förderung der Kreativität von Kindern und die Erschaffung einer Brücke zwischen Bildung, Unterhaltung und Kunst sind die Ziele von "Couleurs de la Vie" (Farben des Lebens), die von Dima Alrefai gegründeten Kunstschule für Kinder und Jugendliche.

Dima, eine Unternehmerin, Künstlerin und Kunstpädagogin, kam vor drei Jahren als Geflüchtete aus Syrien. Mit der Unterstützung von The Human Safety Net, dem Community Outreach-Programm der Generali-Gruppe, begann sie mit der Entwicklung ihres Unternehmens, das jedoch durch die Pandemie Anfang 2020 gestoppt wurde. ARTE Generali half ihr dabei, ihre Kunstschule online zu stellen, angefangen mit Kunst-Workshops für die Kinder der Generali Deutschland-Mitarbeiter. Das Projekt wurde schnell zu einem großen Erfolg. Mehr als 50 Familien mit ihren Kindern bewarben sich für die Workshops.

Damit verkörpert Couleurs de la Vie die "neue Normalität" aufgrund der Covid-19-Krise, die durch eine Kombination von digitalen und physischen Werkzeugen und Mitteln gekennzeichnet ist. Darüber hinaus ist Dimas Vorhaben ein perfektes Beispiel dafür, wie Projekte und kleine Unternehmen inmitten der Pandemie gedeihen können.

Als lebenslanger Partner von Kunstliebhaber(inne)n und angetrieben von dem Ziel, die gemeinsame Nutzung von Kunst und Kreativität als Werte für die Gesellschaft zu fördern, freut sich ARTE Generali, zu solchen innovativen und kreativen Projekten beizutragen und, in diesem speziellen Fall, die künstlerischen Talente von Kindern in einem nahrhaften Umfeld zu entdecken und zu fördern. Die Kunstschule von Dima bringt junge Menschen, unabhängig von Geschlecht, sozialer Klasse, Kultur oder ethnischer Zugehörigkeit, dank Kunst und Kreativität zusammen.

 

ARTE Generali und Jan Kuck: Von brennenden Fragen und der Kunst als Spiegel der Gesellschaft

Konzeptkünstler Jan Kuck und ARTE Generali sind den brennenden Fragen nach Motivation, Antrieb und Leidenschaft mit dem Kunstwerk „The Burning River“ auf den Grund gegangen. Per Livestream wurde Anfang März die Lichtinstallation an der Münchener Isar weltweit im Netz übertragen. Im Interview gibt er Einblicke in die Entstehung der Installation und spricht über wechselseitige Beziehungen zwischen Kunst und Unternehmen. Außerdem erklärt Kuck, warum es unsere Aufgabe ist, Kunst für alle zugänglich zu machen und zu schützen. Mit dieser Ambition unterstützt die Generali Deutschland mit ihrem Kunstversicherer, ARTE Generali, nationale und internationale Kunstprojekte, Ausstellungen und Künstler.

ARTE Generali hat das Projekt „The Burning River“ gefördert. Welcher Gedanke steckt dahinter und was bedeutet es für Sie?

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man Licht in der Stadt für Kunstinstallationen nutzen kann. Meistens wird Licht auf Häuser oder Brücken projiziert, ich wollte aber das Wasser beleuchten, da die Flüsse für mich so etwas wie die Hauptschlagadern der Städte sind. Heutzutage verändert sich alles immer schneller, ist kurzlebiger und ich stellte mir die Frage, was ist eigentlich die Grundlage auf der wir Entscheidungen treffen? Es müsste doch das sein wofür man brennt. Mit der Frage „What are you burning for?“ haben wir auf eine spielerische Art viele Menschen zum Nachdenken gebracht.

„Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft“ – Jan Kuck

Welche Rolle spielt technologische Innovationskraft in der Kunst?

Kunst geht mit der Zeit, deswegen wird Technologie in der Zukunft eine immer größere Rolle darin spielen. Technologie sollte allerdings lediglich unterstützend sein und nie den Hauptpart übernehmen. Sie kann die Kunst nicht ersetzen. Am Beispiel der Arte Generali App sieht man aber, dass sie Kunstsammlern mit Assistance-Leistungen beratend zur Seite stehen kann.

ARTE Generali hat bei dem Launch im vergangenen Jahr mit Maurizio Cattelan und Oliviero Toscani die Kampagne „Great artists steal“ auf den Markt gebracht. Was verbinden Sie mit diesem Satz?

Ja, das ist natürlich sehr provokant ausgedrückt und eine gelungene Kampagne. Als Künstler sollte man sich immer von allem inspirieren lassen und aus dem was man sieht, etwas Neues erschaffen. Die beiden Künstler haben mit der Kampagne ein wichtiges Zeichen gesetzt: Den hohen Wert der Kunst gilt es zu schützen.

Im Jahr 2015 haben Sie sich in Ihrer Ausstellung „Who Cares? Social Responsibility in Contemporary Art“ mit sozialer Verantwortung auseinandergesetzt - einem Thema mit hohem Stellenwert in der Generali.

Soziale Verantwortung hat auch in der Kunst einen hohen Stellenwert. Zum einem, da Kunst immer auch ein Spiegel der Zeit ist. Zum anderen haben Künstler heutzutage mehr Möglichkeiten und Freiheiten sich gesellschaftskritisch zu äußern als es in der Vergangenheit möglich war. Sie können auf Missstände, Konflikte oder Wiederstände aufmerksam machen und damit Menschen zum Nachdenken anregen. Meiner Meinung nach sollte Kunst eine Art Dialog zwischen dem Künstler und dem Betrachter sein.

Inwieweit ist es wichtig, dass Unternehmen Kunst unterstützen und was kann Kunst und Kultur einem Unternehmen im Gegenzug bringen?

Ich empfinde Symbiosen dieser Art als sehr wichtig. Von der wechselseitigen Beziehung können alle lernen, sowohl Künstler als auch Unternehmen. Denn Kunst ist für alle da und sollte eine Art Grundwert für alle Menschen sein. Gleichzeitig eröffnen sich durch den Perspektivenwechsel neue Methoden, berufsfremde Ansätze, Aspekte und geben Denkanstöße. Künstler profitieren gleichermaßen von einer starken Partnerschaft: ohne ARTE Generali wäre es beispielsweise nicht möglich gewesen ein Projekt, wie „Burning River“ umzusetzen.

„Kunst ist für mich Philosophie, die da ansetzt wo Worte alleine nicht mehr ausreichen, um die wirklich störenden, brennenden und wichtigen Fragen zu stellen“ – Jan Kuck

Aktuell setzt sich Jan Kuck für den Ansatz des „Art Thinking“ ein. Dabei wird die Kunst mit Wissenschaft und Wirtschaft verbunden und dient als Kreativmotor und Innovationsbeschleuniger. Fortschritt und kluge Ideen gelingen viel schneller, wenn interdisziplinär und mit der Freiheit der Kunst zusammengearbeitet wird. So erhält auch die Generali durch Partnerschaften, wie diese, immer wieder neue Denkanstöße und bleibt offen für kreative Wege.

  1. © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

    © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

  2. © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

    © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

  3. © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

    © Jan Kuck und Impressionen "The Burning River" 2020, Felix Rodewaldt

Von Dr. Sonja Lechner, Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin von Kunstkonnex Artconsulting (www.kunstkonnex.com).

Kaum ein Bild verdeutlicht signifikanter, welchen Paradigmenwechsel der Kunstmarkt binnen weniger Wochen durchlaufen hat: Noch vor gut einem Monat war das Ifema-Messezentrum in Madrid von Protagonisten wie Rezipienten des internationalen Kunstgeschehens gefüllt – anlässlich der Kunstmesse „Arco“ kamen dort vom 29. Februar bis 1. März rund 95.000 Besucher zusammen. Heute beherbergen die Räumlichkeiten statt zeitgenössischer Kunst Krankenbetten des dort eilig aufgebauten Notfallspitals. Die Tefaf in Maastricht, die in der ersten Märzwoche noch 280 Ausstellern aus 22 Ländern sowie zigtausenden Besuchern ihre Pforten öffnete, bevor sie selbige wegen des Auftretens von Corona-Infizierungen frühzeitig wieder schloss, wird wohl auf lange Zeit die letzte Messe sein, die im Wortsinne begehbar war, die es dem Besucher ermöglichte, Kunst unmittelbar in Augenschein zu nehmen: Diese Woche gab nach der Absage der Frieze in New York und der Verschiebung der Art Cologne auf einen Doppeltermin mit der Cologne Fine Art and Design im November nun auch die Art Basel bekannt, dass die Messe statt im Juni nunmehr im September stattfinden wird. Die Art Basel Hongkong hatte bereits rechtzeitig reagiert und den Messebetrieb komplett in virtuelle Welten verlagert: Statt Kunst im Convention Center  von Hongkong zu zeigen, wurden die Sammler in Viewing Rooms eingeladen. Dem realen Ablauf folgend, erhielten zunächst Inhaber einer VIP-Karte Zugang zu selbigen, bevor sich der kunstsammelnde Rest anschließen konnte. Die Werke wurden meist auf das Foto der Wand einer fiktiven Koje projiziert, deren vorgelagerte Bank suggerierte, man könne sich zum Kunstgenuss niederlassen.

Dieses Format war quasi der Startschuss für eine Neuausrichtung des gesamten Kunstmarktes: Der Shutdown in beinahe allen Ländern macht momentan weder Ausstellungseröffnungen noch Galeriebesuche oder Museumsrundgänge möglich und trifft die internationale Kulturbranche hart. Zusätzlich zu den Soforthilfemaßnahmen für Künstler, Freiberufler und Unternehmer werden weitere Forderungen nach Hilfsmaßnahmen wie etwa der Wiedereinführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf Kunst in Deutschland laut. Weitere finanzielle Schutzschirme werden nötig sein, um zahlreiche Insolvenzen auf dem Kunstmarkt zu verhindern, Schutzschirme wie etwa die Bewilligung von Ankaufsetats für Museen, die speziell dem Kauf in Galerien gewidmet sind, oder aber Förderprogramme für Kunstmessen, Art Weeks, Gallery Weekends und ähnliche Formate.

„Oft weckt Not Talent“, hat bereits Ovid festgestellt und in der Tat: Der Kunstmarkt geht neue Wege, die allesamt ins Internet führen. Eine nie dagewesene virtuelle Verbildlichungsdichte hat die Akteure des Genres erfasst. Nicht nur Galerien und Künstler digitalisieren ihre Offerte, auch Museen weiten aus, was Google Arts & Culture bereits vor der Pandemie publizierte: Rundgänge per Computer durch die bedeutendsten Sammlungen weltweit. Die Bandbreite der Offerten reicht vom Abfilmen geschlossener Ausstellungen über die Vertonung von Eröffnungsreden bis hin zu Künstlerinterviews, Archivhighlights oder Ateliereinblicken. Diese Art der Präsentation hat durchaus Vorteile: Nicht nur sind vielen Aufnahmen Informationen zu Künstler, Werk oder Preis beigesellt, welche die Hemmschwelle derer, die nie zu fragen wagen, senkt, auch ermöglicht das Filmen nahe an der Oberfläche einen Zugang, den sonst so manche Alarmanlage oder mancher Galerist verhindert – das Hineintauchen in Details. Tropfendes und Tränkendes scheint dem Betrachter entgegen zu wallen, das Auge kann sich malerische Farbformationen oder skulpturale Mikrokosmen aus nächster Nähe erschließen.

„Die Idee des Fortschritts ist in der Katastrophe zu fundieren“ - Das Zitieren dieses Satzes von Walter Benjamin inmitten der globalen Krise darf nicht als Zynismus missverstanden werden angesichts der Zigtausenden von Toten durch die Pandemie. Er muss aufgefasst werden als Aufruf, als Aufforderung, sich neu zu positionieren, Neuland zu betreten, einen Fortschritt zu initiieren, der ein Fortschreiten von bekannten Wegen impliziert. Waren bislang Versuche, eigenständig im Internet funktionierende Marktplätze effizient aufzubauen, wie etwa die „VIP Art Fair“, nicht von Erfolg gekrönt, wird die Zukunft des Kunstmarktes post Corona ohne das virtuelle Instrumentarium nicht mehr auskommen. Es bleibt zu hoffen, dass all die Varianten, Kunst online erfahrbar zu machen, ein Überbrücken dieses Ausnahmezustandes ermöglichen, und dass all dies in einem wie auch immer gearteten Danach als Zusatzofferte erhalten bleiben wird, als Ergänzung dessen, was gleichwohl unabdingbar bleiben wird: Kunst leibhaftig in Augenschein nehmen zu können, sie in realer Verortung mit eigenen Augen ertasten, erfahren, erfühlen zu dürfen. Aus Sicht einer Kunsthistorikerin wäre zu wünschen, dass der weltweite Stillstand nicht zuletzt die Sehnsucht aller Kunstliebhaber anwachsen lassen wird, Originale wieder betrachten zu können, und dass diese Sehnsucht eine Wertschätzung implizieren wird, die einen Paradigmenwechsel initiiert, der Kunst nicht mehr vorrangig als Investitionsgut und Spekulationsobjekt, sondern als das wahrnimmt, was sie eigentlich ist – eine beständige Erweiterung unserer Perzeption. „Kunst gibt nicht die Sichtbarkeit wieder, sondern macht sichtbar“, hat Paul Klee einst apostrophiert – momentan stellt sie tradierte Sehgewohnheiten in Frage und führt uns neue Sichtweisen vor Augen.

  1. © Felix Rehfeld, Berg 2 (Detail), 2018, Öl auf Leinwand, 30 x 40 cm

    © Felix Rehfeld, Berg 2 (Detail), 2018, Öl auf Leinwand, 30 x 40 cm

  2. © Dr. Sonja Lechner

    © Dr. Sonja Lechner